Kitaplatz / Kitagutschein, Hortbetreuung
 

Kitagutschein:

Um für Kind/er einen Kitaplatz in Anspruch nehmen zu können, müssen Eltern beim Jugendamt einen sogenannten Betreuungsgutschein (Kita-Gutschein) beantragen. Dieser kann berlinweit in einer Kita oder bei einer Kindertagespflegestelle eingelöst werden.

Der Kita-Gutschein muss beim zuständigen Jugendamt spätestens zwei Monate vor dem gewünschten Betreuungsbeginn beantragt werden, frühestens aber neun Monate vorher.(In Neukölln: Karl-Marx-Straße 83, 12040 Berlin, 2.Stock im Altbau im Rathaus Neukölln, Zimmer A 247 – A 264), Tel.: (030) 115, Email: Kindertagesbetreuung@bezirksamt-neukoelln.de, website: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/jugendamt/kindertagesbetreuung/artikel.283365.php

Der Antrag kann auch online gestellt werden: https://service.berlin.de/dienstleistung/324873/

Das Jugendamt erhebt den Betreuungsbedarf des Kindes und stellt einen Kita-Gutschein mit allen Angaben über Art und Umfang des festgestellten Anspruchs auf Kinderbetreuung aus. Die Eltern suchen dann (bzw. am besten schon vorher) für ihr Kind einen Platz in einer Berliner Kita, bei einer Kindertagespflegestelle oder in einem Kinderladen ihrer Wahl und lösen den Gutschein dort ein. Der Kita-Gutschein gilt bezirksübergreifend. Den Kita-Beitrag hat Berlin 2018 komplett abgeschafft. Eltern werden so finanziell entlastet. Sie müssen sich nur noch an den Kosten für das Mittagessen beteiligen.

Bezieher:innen von Sozialleistungen (Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, Wohngeld oder Kinderzuschlag) oder Familien mit geringem Einkommen wenden sich an die jeweilige Leistungsstelle. Kind/er können Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) und den berlinpass-BuT erhalten. Dieser muss in der Kita vorgezeigt werden. Dann ist das Mittagessen in der Kita kostenlos und Kind/er können kostenlos an Ausflügen der Kita teilnehmen. Weitere Informationen dazu online unter: www.berlin.de/sen/bjf/bildungspaket.

In manchen von Eltern oder von Erziehern und Erzieherinnen selbstverwalteten Kindertagesstätten („Kinderläden“) wird ein zusätzlicher Vereinsbeitrag erhoben. Die Einrichtung muss dann nachweisen, wofür sie das Geld verwendet, z.B. für besonderes Essen (Bio-Essen), Ausflüge oder besondere Angebote (Musik, Bewegung). Die Mehrkosten sind aber begrenzt: Die Einrichtungen dürfen höchstens 90 Euro pro Kind und Monat von den Eltern verlangen.

Unterlagen zur Antragsstellung

Um einen Kitaplatz oder Hortplatz zu bekommen, muss ein Antrag gestellt werden.

Voraussetzungen Beantragung Kita-/oder Hortgutschein:

Kita oder Hortplatz ist vorhanden

 

 

Wenn ein Betreuungsplatz benötigt wird, den Bedarf frühzeitig anmelden. Bitte an die Kindergärten der Wahl im Einzugsgebiet wenden und häufig an die Platzsuche “erinnern”. (Da es auch in Neukölln “eigentlich” zu wenige freie Kitaplätze gibt: bei Kitas anfragen, anfragen, anfragen, ggf. auf “Warteliste” setzen lassen).  Je eher Träger vom Bedarf erfahren, ums so besser können sie sich darauf einstellen.  Spätestens, wenn sich ein “Kitaplatz” abzeichnet, Kitagutschein beantragen ! Ohne Gutschein gibt es keine Möglichkeit auf einen Kitaplatz.

Hier kann nach freien Kitaplätzen gesucht werden: https://kita-navigator.berlin.de/

 

Ergänzende Förderung und Betreuung von Grundschulkindern (Hort)

Berliner Grundschulen im Ganztagsbetrieb

Alle Berliner Grundschulen sind ganztägig in Betrieb. Dies gilt auch für Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt. Im Ganztagsbetrieb sind Bildung, soziales Lernen und sinnvolle Freizeitgestaltung miteinander verzahnt und ermöglichen so eine individuelle Förderung der Kinder. An Stelle der früheren Hortbetreuung stehen heute die sogenannten ergänzenden schulischen Betreuungsangebote. Grundsätzlich gibt es verlässliche Betreuung der Kinder von 07:00 bis 13:30 Uhr. Ergänzend können Eltern Betreuungszeiten am frühen Morgen ab 06:00 Uhr und bis 18:00 Uhr sowie Ferienbetreuung beantragen. Die ergänzende Förderung und Betreuung (Hort) in der offenen oder gebundenen Ganztagsgrundschule ist mit der Anmeldung zum Schulbesuch in jedem Fall zu beantragen (vor Ort oder https://www.berlin.de/sen/bjf/service/formulare/).
Dabei ist zu beachten, dass das Kita-Jahr am 31.07. endet, und die Hortbetreuung somit am 01.08. beginnt. Die Anmeldung kann auch nach der Einschulung des Kindes erfolgen, aber spätestens drei Monate vor dem gewünschten Betreuungsbeginn. Die Formulare gibt es in der Schule oder online. Die Schule leitet den Antrag an das zuständige Jugendamt weiter, das über den Betreuungsumfang entscheidet. Für Kinder der Jahrgangstufen 1 und 2, die den Hort in der Kernzeit von 13.30 bis 16.00 Uhr besuchen, ist kein Bedarfsnachweis mehr notwendig. Nur der Bedarf über die Kernzeit hinaus muss weiterhin nachgewiesen werden.

Unterrichtszeiten und betreute Freizeitaktivitäten wechseln sich in der Zeit von 08:00 bis 16:00 Uhr ab. Darüber hinaus kann Betreuung ab 06:00 Uhr und bis 18:00 Uhr und in den Ferien beantragt werden. Der Hort ist für Kinder in den Klassenstufen 1 und 2 kostenfrei. Betreuungszeiten außerhalb der gebundenen und offenen Ganztagsgrundschule sind einkommensabhängig kostenpflichtig. Für die 5. und 6. Klasse muss die ergänzende Betreuung bei Bedarf erneut beantragt werden.

Ferienbetreuung: Von der 1. bis zur 4. Klasse ist in der ergänzenden Betreuung auch eine Betreuung während der Schulferien enthalten. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 muss eine Betreuung zu Ferienzeiten gesondert beantragt werden. Dafür ist eine schriftliche Stellungnahme der Schulleitung erforderlich. Die Beteiligung der Eltern an den Kosten der ergänzenden Betreuung ist einheitlich geregelt. Die Kosten setzen sich aus dem Betreuungsanteil und einem Kostenanteil für die Verpflegung zusammen. Die Kostenbeteiligung für die Betreuung richtet sich nach dem Familieneinkommen, dem Zeitumfang des Bedarfes und weiteren gesetzlich geregelten Ermäßigungen, zum Beispiel nach der Anzahl der in der Familie lebenden Kinder unter 18 Jahren.
Der Hortbesuch für Kinder der Jahrgangstufen 1 und 2 ist kostenlos. Wichtig: Eltern müssen aber trotzdem bei der Schule einen Antrag auf die ergänzende Förderung und Betreuung stellen.

Das Mittagessen ist für alle Berliner Grundschülerinnen und Grundschüler der Klassen 1 bis 6 kostenfrei. Wichtig: Dafür muss mit dem Caterer der Schule ein Vertrag abgeschlossen sein. Bitte rechtzeitig in der Schule über das Anmeldeverfahren Informationen einholen.

 

Ergänzende Kinderbetreuung:

Viele berufstätige Eltern stehen vor einem Dilemma, wenn ihre individuellen Arbeitszeiten so liegen, dass zwischen Öffnung und / oder Schließung der Kita oder des Horts und dem Arbeitsbeginn /Arbeitsende eine Lücke entsteht, in der Kind/er nicht betreut werden können. Mit dieser Herausforderung sind auch Schicht- oder Teilzeit-arbeitende Eltern konfrontiert, deren Arbeitszeiten üngünstig (außerhalb der Öffnungszeiten von Kita und Hort) liegen. Betroffen können auch Eltern sein, die sich in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung oder Umschulung befinden. Um in diesen „Lückenzeiten“ der Kinderbetreuung zu überbrücken, gibt es die „ergänzende Kinderbetreuung (auch ergänzende Kindertagespflege).

Wenn Eltern einen Antrag auf ergänzende Kinderbetreuung beim örtlichen Jugendamt stellen, kann das Jugendamt einen erweiterten Betreuungsumfang feststellen.

Voraussetzungen, um ergänzende Kinderbetreuung /Kindertagespflege zu beantragen:

  • Der Betreuungsbedarf eines Kindes (bis 12 Jahre) überschreitet  wegen der Arbeits‐ oder Ausbildungszeiten der Eltern, um mehr als eine Stunde die Öffnungszeit der öffentlich geförderten Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege, in der das Kind regelmäßig betreut wird.
  • Die ergänzende Kinderbetreuung ist kostenfrei
  • Eltern müssen dies z.B. durch Vorlage des Kitavertrages und die Vorlage über ihre Arbeitszeiten (z.B. Arbeitsvertrag) nachweisen.
  • Die Entscheidung über den (zusätzlichen) Betreuungsbedarf und die Höhe der Kostenbeteiligung trifft das zuständige Jugendamt.
  • Anmeldeformular für die ergänzende Förderung und Betreuung online unter

http://www.berlin.de/sen/bjw/service/formulare/

 

Der zusätzliche Betreuungsbedarf wurde vom Jugendamt anerkannt. Wie geht es jetzt für die praktische Umsetzung weiter?

  • Für die ergänzende Kindertagespflege bis zum Schuleintritt ist das Jugendamt am Wohnort zuständig. Das Jugendamt kann gegebenenfalls eine (geprüfte) Tagespflegeperson benennen, die die Betreuung übernimmt. Manche Jugendämter haben Listen mit Tagespflegepersonen. (Jugendamt/Tagespflege Neukölln Karl-Marx-Straße 83, 12043 Berlin, Telefon030 90239).
  • Leider zeigt die Erfahrung, dass die Jugendämter eher selten über eine ausreichende Anzahl von benötigten Tagespflegepersonen verfügen. Eltern können selbst eine Person für die ergänzende Betreuung vorschlagen, die vom Jugendamt auf ihre Eignung hin überprüft wird. (zum Auffinden /zur Vernetzung mit anderen (alleinerziehenden) Eltern / potentiellen „Betreuer*innen im Sozialraum kann mello-app.com genutzt werden)). Die konkreten Details, wie die Betreuung erfolgen soll, wird zwischen Eltern und Tagespflegeperson (ggf. unter Beteiligung des Jugendamts) vereinbart.
  • Bei der Suche nach einer Tagespflegeperson können Eltern auch durch mokis unterstützt werden. Mokis ist ein öffentlich gefördertes Projekt, das unter anderem geeignete Betreuungspersonen für die Jugendämter sucht und qualifiziert. Dazu auf mokis.berlin das Betreuungsgesuch aufgeben. Sollte Mokis eine geeignete Betreuungsperson finden, werden Eltern vom Jugendamt darüber und über die weitere Vorgehensweise informiert.
  • Für (Solo-)Selbstständige Eltern könnte coworking mit Kinderbetreuung bei work´n kid (https://www.worknkid.de/) interessant sein. Tipp: Kosten, die für Kinderbetreuung ausgegeben werden, sind bis max. 4.000,00 € steuerlich absetzbar – Quittungen aufheben!

Umfangreiche Informationen und hilfreiche Tipps zum Thema sind auch auf dem Berliner Familienportal zu finden: https://www.berlin.de/familie; oder gleich im Ratgeber „Kita in Berlin“ schmökern: https://www.berlin.de/familie/de/ratgeber/kita-in-berlin-19

 

Notbetreuung / Betreuung Kind/er und Haushaltsführung, wenn Eltern krank sind:

Viele Alleinerziehende quält, spätestens wenn sie eine leichte Erkrankung haben, der Gedanke: was ist, wenn ich mal „richtig“ krank bin – wer kümmert sich dann um das Kind/er?

Bevor ich auf die gesetzlich verankerten Notbetreuungsmöglichkeiten eingehe, möchte ich – ohne „besserwisserisch“ sein zu wollen – einen Appell an alle Allleinerziehenden richten: Bitte aktiv den Aufbau eines persönlichen Unterstützungsnetzwerks vorantreiben! Einerseits ist es so, dass die gesetzlichen Unterstützungsmöglichkeiten – auch im Notfall – immer einen gewissen Vorlauf haben, bis sie greifen. Andererseits können Unterstützende aus dem persönlichen Umfeld auch dann unterstützen, wenn nicht grad „die Hütte am Berennen“ ist. Sie können zur Entlastung im Alltag beitragen und sie können ggf. ein netter und hilfreicher Sozialkontakt für die ganze Familie sein. Wie komme ich zu „meinen“ Unterstützer*innen: nette Nachbar*innen anfragen (ohne gekränkt zu sein, wenn eine Absage erfolgt) oder einfach im Hausflur oder am schwarzen Brett im Supermarkt über einen Aushang die Suche starten oder über www.mello-app.com die Vernetzung versuchen. Nur Mut! Das Schlimmste, was passieren kann ist, sind Absagen oder dass sich keine:r meldet.

Und nun zu den gesetzlichen Regelungen: Unter bestimmten Bedingungen kann im Fall, dass Eltern erkranken, eine Haushaltshilfe der Krankenkasse (nach § 38 SGB V) in Anspruch genommen werden. Die Haushaltshilfe soll alle Arbeiten erledigen, die im Familienalltag anfallen und üblicherweise von Mutter oder Vater erledigt werden.

Um eine Haushaltshilfe der Krankenkassen in Anspruch nehmen zu können, gelten folgende Voraussetzungen:

  • Elternteil, das den Haushalt führt und das Kind/er betreut, ist erkrankt.
  • Es lebt mindestens ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt und
  • keine andere Person kann den Haushalt weiterführen. (Bei im Haus­halt lebenden betreuungsbedürftigen behinderten Kindern gibt es keine Altersbegrenzung).
  • Die Haushaltshilfe wird von der behandelnden Ärzt:in verordnet
  • Die Verordnung ist bei der Krankenkasse einzureichen.
  • Die Zuzahlung zur Haushaltshilfe beträgt mindestens fünf Euro und maximal zehn Euro pro Tag. Nähere Informationen erteilen die Krankenkassen und die unabhängige Patientenberatung.

Haushaltshilfe vom Jugendamt: In einigen Fällen werden die Kosten für die Haushaltshilfe nicht von der Krankenversicherung übernommen, z.B. wenn die Kassenleistung bereits über einen längeren Zeitraum beansprucht wurde. In diesem Fall können sich Eltern an das Jugendamt im Bezirk wenden. In Notsituationen kann dort eine Betreuung des Kindes im Haushalt beantragt werden.

Für die Beantragung beim Jugendamt gelten folgende Voraussetzungen:  

  • Es lebt mindestens ein Kind unter 14 Jahren im Haushalt und
  • das Elternteil, der die überwiegende Betreuung des Kindes übernommen hat, fällt aus gesundheitlichen oder anderen zwingenden Gründen aus und
  • andere Personen können nicht in erforderlichem Umfang helfen und
  • vorhandene Möglichkeiten der Betreuung und Versorgung des Kindes in Tageseinrichtungen und Tagespflege reichen nicht aus oder
  • das Kind ist erkrankt und darum vom Besuch der Tageseinrichtung ausgeschlossen.

Werden Eltern krank sind und  gepflegt werden müssen, können sie – sofern ein Krankenhausaufenthalt nicht zwingend erforderlich ist – häusliche Krankenpflege in Anspruch nehmen und zu Hause bei ihren Lieben bleiben.

Um häusliche Krankenpflege in Anspruch zu nehmen, gelten folgende Voraussetzungen:

  • Gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf häusliche Krankenpflege, sofern dadurch eine Krankenhausbehandlung vermieden oder deren Dauer verkürzt werden kann oder wenn eine Krankenhausbehandlung nicht möglich ist.
  • Zur häuslichen Krankenpflege gehören z.B. Verbandswechsel, Wundversorgung oder die Verabreichung von Thrombosespritzen. Die häusliche Krankenpflege wird von geschulten Fachkräften, d. h. Krankenschwestern und -pflegern sowie Krankenpflegehelfer*innen und geleistet.
  • Zur häuslichen Krankenpflege gehört auch, dass
  • der Haushalt weitergeführt wird (Wäsche waschen, einkaufen, Essen zubereiten, Wohnung reinigen) und
  • die im Haushalt lebenden Kinder  betreut und beaufsichtigt werden, wenn dies keine andere Person des Haushalts übernehmen kann.

Die häusliche Krankenpflege wird von der behandelnden Ärzt:in verordnet. Je Krankheitsfall kann die Leistung in der Regel bis zu vier Wochen bewilligt werden. Sie kann auch während einer Schwangerschaft – zum Beispiel, wenn eine Frühgeburt droht – oder nach einer Entbindung verschrieben werden. Gesetzlich Krankenversicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, müssen Zuzahlungen zur häuslichen Krankenpflege leisten. Diese betragen zehn Prozent der Kosten für höchstens 28 Tage pro Jahr sowie zusätzlich zehn Euro je Verordnung. Häusliche Krankenpflege ist zuzahlungsfrei während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung.

Tipp: Telefonnummern von Hausärzt:in, Krankenkasse, Jugendamt, Kita und / oder Schule, notieren und an einem festen Platz aufbewahren – dann kommt im Ernstfall nicht noch Recherchestress dazu.

  • Außerdem können belastete Alleinerziehende und Eltern auf Ehrenamtliche und auf Unterstützung von Patenschaftsprojekten zurückgreifen. Wenn eine:r ehrenamtliche Pat:in gewünscht ist: bei der jeweiligen Einrichtung melden, die eigene Situation darstellen und abklären, ob am Projekt teilgenommen werden kann. Bitte beachtet: Meist muss bis zur Aufnahme mit Wartezeiten gerechnet werden.
  • In Neukölln gibt es für  Kinder bis 3 Jahren z.B.:

Frühe Hilfen – bärenstark ins Leben®: https://skf-berlin.de/offene-sozialarbeit/familien/familienpaten/ oder von Lebenswelten für: https://www.lebenswelt-berlin.de/erste-schritte und https://www.lebenswelten-berlin.de/welcome-fann-familinehaus
sowie Patenschaften für Kinder und Jugendliche (https://www.neukoelln-plus.de/was-wir machen/kinder-und-jugendliche/neukoellner-talente-patenschaften/)
berlinweiter Großelterndienst: https://www.grosselterndienst.de/ (Hier – und vermutlich auch bei den anderen genannten Projekten – gibt es  Wartelisten, deshalb schnell den Bedarf anmelden)

 

Flexible Kinderbetreuung:

Unter „Flexibler Kinderbetreuung“ wird einerseits die „ergänzende Kinderbetreuung“ sowie alle Formen der Kinderbetreuung verstanden, die Eltern zu unterschiedlichen Zeiten – außerhalb der Betreuung von Kita und Hort – entlasten. Manche fragen: warum denn noch flexible Kinderbetreuung, wenn Kinder in Kita und Schule/Hort tagsüber gut betreut werden? Liebe Lesende, wenn wir uns einige Minuten Zeit nehmen, um uns den Alltag von Alleinerziehenden vorzustellen, wird schnell klar, dass flexible Kinderbetreuung kein „Luxus“ ist. Vielmehr können einige Stunden frei verfügbarer Zeit dazu beitragen, dass alleinerziehende Eltern ungestört „Luft holen“, wichtige persönliche Termine wahrnehmen oder sich für die täglichen Herausforderungen individuell stärken können. Eine kleine, persönliche Auszeit ist im Sinn einer präventiven Gesundheitsvorsorge unabdingbar. Kennen wir Alle aus unseren persönlichen Leben. Insbesondere für Alleinerziehende ist physisches und psychisches Wohlbefinden enorm wichtig, um langfristig die vielfältigen Belastungen, die Elternschaft, Beruf, persönliche Verpflichtungen usw. mit sich bringen, gut zu bewältigen. Nicht zuletzt profitiert das Kind / die Kinder, wenn es Eltern auch individuell gutgeht.

Formen der flexiblen Kinderbetreuung gibt es viele. Darunter fallen die Betreuung der Kind/er durch eine*n Patin, durch ein:en liebevolle:n „Patenoma / Patenopa“ (Patenschaftsprojekte in Neukölln siehe weiter oben). Oder die Betreuung durch Angebote, die Kinderbetreuung nach Anmeldung für einen bestimmten Zeitraum bei Trägern / Einrichtungen ermöglichen. Zu flexibler Kinderbetreuung zählt auch Kinderbetreuung, die während Veranstaltungen für Alleinerziehende angeboten werden. So können sich Eltern auf dort vermittelte Inhalte konzentrieren oder sich ungestört über Themen austauschen. Freiberuflich arbeitende Eltern finden gegebenenfalls in einem Coworking Space mit Kinderbetreuung eine flexible Lösung (z.B. https://www.worknkid.de/). Neben der gemeinsamen Büroraumnutzung können sich Freiberufler:innen und Gründer:innen über ihre Erfahrungen und Projekte austauschen. Ein Arbeitsplatz mit Betreuung kann häufig kurzfristig stunden-, tage- oder wochenweise gebucht werden (Co-working-spaces sind meist kostenpflichtig, Kosten für KInderbetreuung jedoch steuerlich absetzbar).

Nicht zuletzt kann auch individuell eine „flexible Kinderbetreuung“ organisiert werden: über www.mello-app.com nach anderen Alleinerziehenden / Kontaktpersonen in der Nachbarschaft suchen. Die Beteiligten können einige „Meine-Zeit-Stunden, neudeutsch “Me Time“ verabreden, während der die Kinder der einen Familie gemeinsam durch das „Peer-Elternteil“ (oder nette und vertrauenswürdige Nachbar:innen) betreut werden. Eltern der anderen Familie haben diese Zeit dann zur freien Verfügung. So eine Vereinbarung beruht natürlich auf Sympathie, Vertrauen und Gegenseitigkeit.

In Neukölln ist es gelungen, Mittel für ein kleines, flexibles Kinderbetreuungsangebot einzuwerben (vgl. “Aktuelles” vom 13.5.2022 auf dieser website). Hier betreut eine Kinderbetreuerin kostenfrei einmal die Woche – abwechselnd in NK Nord und NK Süd – Kinder von AE zwischen 3 und 10 Jahren. Die Eltern können die 3 Stunden für eigene Interessen nutzen.

 

Last but noch least: Ein Blick auf Betriebe/Unternehmen, die gesellschaftlich in der Pflicht stehen (sich verantwortlich fühlen sollten), ihren Mitarbeitenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (inklusive Betreuung des Kindes /der Kinder) gut zu ermöglichen. Und: kann ich als Auszubildende:r / Mitarbeiter:in auch etwas dafür tun?

Auch im Betrieb / am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz können Eltern darauf hinwirken, dass Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf thematisiert und (verbesserte) Maßnahmen hierfür geschaffen werden.

Gegenüber Vorgesetzten kann / soll die hohe eigene Arbeitsmotivation und Identifizierung mit dem Unternehmens- / Einrichtungszielen einerseits klar kommuniziert werden. Andererseits gilt dies auch für den persönlichen Anspruch, Familie und Beruf gut vereinbaren zu können. Als Argumentationshilfe können vorliegende wissenschaftlichen Erkenntnisse dargelegt werden:

  • Maßnahmen für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf bringen Vorteile für die Beschäftigten und den Betrieb: Alle Beschäftigten arbeiten entspannter und sind dadurch effektiver
  • Ein gutes Betriebsklima trägt nachweislich zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes bei
  • Hoch spezialisierte Fachkräfte bleiben im Unternehmen
  • Die Fluktuation sinkt! – Teure Personalbeschaffungskosten werden abgebaut
  • Die Kosten von Maßnahmen für Kinderbetreuung für nicht schulpflichtige Kinder sind für den Betrieb als betriebliche Ausgaben voll steuerlich absetzbar (Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber die Zuschüsse zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn bezahlt)

Unter diesen Voraussetzungen kann der Betrieb z. B.

  • Bar- oder Sachleistungen sowohl für die Unterbringung und Betreuung in betrieblichen oder außerbetrieblichen Kindergärten gewähren
  • Notfallbetreuung aus dienstlichen Gründen durch einen Betreuungsservice beauftragen
  • sich finanziell an Kinderbetreuungseinrichtungen freier Träger wie Schulhorten, Kindertagesstätten, Kinderkrippen oder Kindertagespflege selbstständiger Tagespflegepersonen beteiligen
  • Betreuungsplätze in Einrichtungen freier Träger bezuschussen, etwa für flexible Öffnungszeiten
  • Die Einrichtung von betrieblichen Kindertagesstätten – gegebenenfalls im Verbund mit weiteren Betrieben – wird auch finanziell gefördert
  • Home Office anbieten, wenn Home-Office eine gute Alternative ist
  • Werbung für das Unternehmen mit dem “Branding familienfreundliches Unternehmen” kommt in der Öffentlichkeit gut an
  • Familienfreundliche Unternehmen gelten für Bewerber*innen als besonders attraktiver Arbeitsplatz

Wenn es im Betrieb einen Betriebs-/oder Personalrat, eine Mitarbeiter:innenvertretung und /oder eine:n Gleichstellungsbeauftragte:n  gibt, besteht das Recht, diese Gremien / oder Einzelpersonen (des eigenen Vertrauens) auf das Thema ansprechen. Die Mandatsträger:innen bzw. Gremien sind gesetzlich verpflichtet, auf die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter hinzuwirken und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Interessensvertretungen der Arbeitnehmer*innen können mit den Arbeitgeber*innen diesbezügliche Betriebsvereinbarungen abschließen.

Wie bereits erwähnt, werden Arbeitgeber:innen für Maßnahmen, die auf bessere Vereinbarkeitsmöglichkeiten zielen, steuerlich gefördert. Welche Möglichkeiten, Vereinbarkeit zu verbessern, in der betroffenen Arbeitsstätte in Frage kommen, muss anhand der konkreten Situation beurteilt werden. Nach einem Abgleich mit der betrieblichen Realität und den internen Abläufen können als konkrete Maßnahmen vorgeschlagen werden:

  • (flexiblere)-Arbeitszeit-Regelungen
  • Zuschüsse für Kinderbetreuung / Tagesmütter (SV-frei bis Schulalter, steuerlich als Betriebskosten absetzbar)
  • Belegplätze in Kinderbetreuungs- Einrichtungen mit längeren Öffnungszeiten (können steuermindernd geltend gemacht werden)
  • ein bedingter Betriebskostenzuschuss für bezirkseigene Kita (mit Belegplätzevereinbarung)
  • Notbetreuung: Kinderraum im Betrieb / „Arbeitgeber:innen-Kinderbetreuung“ – wenn Kinder leicht kränkeln, Kita zu hat oder während Kita-Schließzeiten kümmert sich eine Gruppe von (ehemaligen?) Mitarbeiter:innen um die Kinder der Beschäftigten (auch die Kosten für Kurzzeit-, Ferien- oder Notfallbetreuung sind abzugsfähige Betriebsausgaben)
  • Hausaufgabenservice (ehemalige Mitarbeiter:innen?) im Betrieb
  • Zusammenarbeit mit Familienservices (z.B. bezirkliche oder auf dem freien Markt agierende Unternehmensservices wie AWO Unternehmensservice)
  • Punktuelle Betreuung (Ferien /Schließzeiten in Kita etc.) – in die Urlaubsplanung einbeziehen, bei Sportvereinen, Familienbüros oder kirchlichen Trägern nachfragen

Gegen Unverständnis auf Seiten der Kolleg:innen, warum das Thema so wichtig ist, hilft: transparent machen, darüber sprechen. Wenn erläutert wird, warum donnerstags unbedingt um 15:30 der Arbeitsplatz verlassen werden muss, können Kolleg:innen einzelne (ggf. individuell vereinbarte) Regelungen nachvollziehen und verstehen. Vielleicht kann der einen oder dem anderen Kolleg:in bei einer anderen Angelegenheit entgegengekommen werden – gegenseitige Unterstützung ist für Alle hilfreich. Noch ein Tipp für Solo-Selbstständige: Workn´kid (www.worknkid.de/) bietet Co-Working-Spaces mit Kinderbetreuung (Kosten steuerlich absetzbar).

FAZIT: Vereinbarkeitsprobleme nicht zähneknirschend erdulden, sondern prüfen, welche Wege im konkreten Fall am ehesten zu einer Verbesserung führen können und diese in Angriff nehmen Jede kleine Verbesserung zählt und entlastet!